Elektronisch: Alle Farben

Berlins musikalisches Herz pumpt täglich neue Beats in die Köpfe und Füße seiner Einwohner. ArtiBerlin bleibt nicht davon verschont und möchte einen Überblick über Berlins Plattendreher gewinnen, indem einige oft gehörte Fragen mit der Hoffnung auf Neue Site4 von Xenia Kitaeva (05.02.2012)
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Q&A mit Frans Zimmer, umgeben von Katzen

Wie bist du zu deiner Musik gekommen?
Das ist so entstanden, ich habe immer schon viel und intensiv Musik gehört und dann ging das irgendwie von Rock zu TripHop zu House über.

Woher kommt dein Name/Pseudonym?
Ich habe ja früher Malerei gemacht und wollte Kunst studieren, habe stattdessen was mit Grafikdesign angefangen...jedenfalls kommt mein Name von der Malerei: anfangs hieß ich Hundert Farben, angelehnt an den Maler Hundertwasser, das wurde dann relativ schnell zu Alle Farben.

Wie/Wo/Wann hast du mit dem Auflegen angefangen? Und was war dein erster Auftritt?

Angefangen habe ich erstmal zu Hause für mich mit einem Plattenspieler aus dem Trödellladen. Das war purer Zufall. Als ich angefangen habe, Musik zu hören, hätte ich nie gedacht, dass ich mal was elektronisches mache, aber eines Tages stand eine Ramschkiste mit Platten vor der Haustür, da habe ich mir welche mitgenommen und mir einen Plattenspieler zugelegt. Die Platten waren letzten Endes ziemlich schlechter House, aber ich habe sie mir immer wieder angehört, bin dann mal zu Elektro-Veranstaltungen gegangen...ich glaube, meine erste war tatsächlich vor 8 Jahren im Sage-Club und dann war ich mit 18/19 auf meiner ersten Fusion. Da hats mich dann endgültig gepackt.
Zu meinem ersten Auftritt kan ich, als ein Freund mich gefragt hat, ob ich in seinem Laden spielen möchte im Rahmen eines Straßenfestes. Das habe ich natürlich gemacht und eine Woche später habe ich in einer Bar mit Tanzfläche gespielt. Danach häuften sich die Auftritte relativ schnell.

Da ein DJ den Menschen meist neue Musik präsentiert/präsentieren muss: Wie findest/erfindest du neue Musik? Wie entstehen deine Songs und wo holst du dir die Inspiration?
Meine Songs und Mixe sind samplebasiert und ich bin natürlich die meiste Zeit damit beschäftigt, neue Musik zu finden. Ich bewege mich dabei gerne auf Blogs, Soundcloud, Facebook...man muss nur immer die Augen und Ohren offenhalten! Viele Musikstücke finde ich natürlich auch durch glückliche Zufälle: dadurch, dass Youtube Lieder vorschlägt, die mir gefallen könnten. Auch durch Freunde, die mir Songs empfehlen. Oder ich höre einfach etwas in einer Bar und finde heraus, was es ist. Sagen wir: Die Musik kommt zu mir.

Wie bereitest du dich auf einen Auftritt vor?
Mit einem guten Essen, je nach Region. Ich lasse mir ausserhalb von Berlin meistens von den Gastgebern einen Laden, gerne den Laden ihres Vertrauens, empfehlen. Selbst wenns "nur" ein leckerer Burgerladen ist...In Berlin ist das meistens etwas selbstgemachtes, ich koche sehr gerne.

Wie hat es sich angefühlt, als du gemerkt hast, dass du auch über deinen Freundeskreis hinaus bekannt wurdest?
Das ging ja eher schleichend, weil ich schon länger Musik mache. Erst in den letzten 2 Jahren hat es mit der größeren Bekanntheit so langsam angefangen. Bis vor einem dreiviertel Jahr hat sich das bei den Auftritten immer noch so angefühlt, als wären es Freunde und Bekannte. Und im letzten Sommer fings dann an, dass mich vollkommen Fremde Leute auf der Straße und sonstwo angesprochen haben.
Es ist ganz lustig, wenn ich meinen Wocheneinkauf mache, vom Kassierer angesprochen zu werden. "Ey...du bist doch Alle Farben...deinen Gig am Samstag fand ich echt geil!".
Aber manchmal nervt es auch, wenn man privat irgendwo ist und sich einfach jemand in die Runde setzt und anfängt, draufloszureden. Ich bin dann ja auch nicht jemand, der sagt "Ey verpiss dich." oder sowas, aber das kann schon sehr nervig sein.

Welche Clubs/Parties empfiehlst du?
Da gibt es nicht direkt Clubs oder Parties, ich bin am liebsten auf den kleinen, spontanen und häufig illegalen Openairs im Sommer. Da gibt es so ein familiäres Gefühl, das ziehe ich den Clubs meistens vor. Ich bin ausserdem jedes Wochenende zweimal oder mehr "beruflich" auf einer Party, oft genug auch Donnerstags. Ich feiere gerne mit, nachdem ich aufgelegt habe, da muss ich nicht nochmal extra Party machen gehen.

Drei Sätze zur Berliner Elektroszene.
Ich bleib mal positiv (lächelt) ...aber die Parties fangen mir persönlich zu spät an. Berlin schläft nicht, man kann immer was unternehmen und erleben. Wichtig ist nur, sich nicht in Berlin und seiner Vielfalt zu verlieren, das passiert leider sehr vielen. Berlin ist nicht nur Inspiration für elektronische Musik, sondern für sehr viele andere Musikstile und alle möglichen Kunstformen. Das ist schon sehr lange so, und elektronische Musik ist nun mal sehr stark am Puls der Zeit.

Wie stellst du dir Berlin ohne Elektro vor?
Das ist schwierig vorzustellen, weil ich Berlin sehr stark mit elektronischer Musik verbinde. Berlin ohne Elektro wäre wohl Berlin ohne mich.
Elektronische Musik ist übrigens nicht mehr das, was es früher war. Man kann es mit sehr vielen Musikstilen kreuzen, deswegen wird es keine Zurückentwicklung geben. Es werden in jedem Musikstil immer mehr elektronische Elemente benutzt. Es ist schwer, sich Elektro aus der Tanzszene wegzudenken.

Wie würdest du die Leute beschreiben, die deine Musik hören und lieben?

Ich habe tolle Fans! Es ist oft sehr emotional für mich, das Grinsen und die Freude in den Gesichtern der Leute zu sehen. Ich freue mich auch immer sehr über die Mails, die Geschenke, so kleine selbstgemachte Puppen und Kuscheltiere, es gibt sogar richtige Briefe. Ich bekomme so viel Lob und es gibt so viele Leute, die mir schreiben, sie würden die Prüfung ohne meine Musik nicht schaffen, oder auch ihren Liebeskummer und Herzschmerz mit meinen Tracks bekämpfen.
Die Menschen, die meine Musik hören und lieben sind immer wieder der Grund und Ansporn für mich, neue Musik zu machen.
Beschreiben würde ich sie im Allgemeinen als relativ jung, durchschnittlich um die 20, mit meiner Musik wachsend. Ich denke, meine Musik wäre eine vollkommen andere, wenn "alte Technohasen" auf meine Tracks abgehen würden.

Was würdest du heute ohne das DJing machen?
Ich habe ja bereits viele Sachen gemacht in meinem Leben. Konditorei, Grafikdesign, Malerei...ich habe alles mögliche versucht und ohne das DJing wäre es wohl genauso, ich würde einfach flexibel bleiben.
Ich lege schon so lange auf, dass ich mich gar nicht mehr umorientieren will...seit 8 Jahren ungefähr, und leben kann ich davon seit 2009.

Haben deine Songs eine tiefere Bedeutung oder ist es "einfach nur" Tanzmusik?
Meistens ist es wirklich einfach Tanzmusik, an der die Leute Spaß haben sollen. Es hat auch viel mit klassischer Musik zu tun: Ich denke da an Tschaikowsky, Opern. Mein neuster Song ist mit einer Opernsängerin, auf Grundlage von Eduard Mörickes "Verborgenheit".

Kannst du uns eine kleine Prognose deiner musikalischen Entwicklung in der Zukunft geben?

Der Grundton wird elektronisch bleiben. Ich sitze an der groben Konzeptionierung eines Albums, das sich vermutlich ein wenig von Clubmusik distanzieren wird...ab

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