Briefe an den Cowboy. (Heute: Bestandsaufnahme)

Titelbild

Ich habe eine Bestandsaufnahme gemacht:
Wenn alles da ist was weh tut, dann bin ich mehr als vollständig.

Bin krank.
Erkältet.
Kopf und Gliederschmerzen, sagt man im Fachjargon.
Ich sage: AUA, alles tut weh!
Denn mir ist zudem mein Herz verloren gegangen.

Also.. ja... natürlich... das kleine Keksherz,
schwupps,
in meinen Kaffee abgetaucht, weil ich es mutig auf den Milchschaum gelegt hatte,
kleiner Test, ob der Schaum das auch hält.
Hat er nicht, na bravo. Nu is es weg.

Hm.
Man muss vorsichtig sein mit solchen Tests, die Ergebnisse sind meist von trauriger Bilanz; Herzen halten kann nicht jeder...ähm...Schaum.
Vielleicht sind manche Herzen schwerer als andere?
Oder mancher Schaum einfach nur schwächer?
Egal. Krank bin ich nun trotzdem.
Und es gibt sogar einen Zusammenhang (hört hört).
Denn vor lauter Angst, dass mein Herz zu schwer sein könnte, habe ich den Test mit White Russian gemacht. Da hatte ich zwar keinen Keks, aber die große Kunst lautet ja dabei; die Sahne muss gleichmäßig oben schwimmen, sie soll vom Alkohol gehalten werden.
Ich habe bei diesem Test grandiose Ergebnisse erzielt, die Erwartungen bei weitem übertreffend.
Nur leider hat dann unerwartet mein Körper aufgegeben.
Das stimmt jetzt nicht ganz, der Kopf schaltete sich (GOTT SEI DANK) zuerst aus. Der Rausch als ideales Mittel zur Unterbindung jeder Anwandlung von Reflexion, sozusagen.
ABER: Bei dieser 1 a Sahnenacht, die ich mit Whisky runtergespült hatte, wurde mein Immunsystem vorübergehend ausgeknipst. Geblieben sind mir Rotznase und Halskratzen und ihre Kollegen Ohren- und Kopfschmerz. Hooray!
Hätte ich somit das krank sein schon erledigt im neuen Jahr, das ist schließlich ganze 30 Tage alt und man soll ja nichts verkommen lassen.

Apropos:
Kochst du mir eine Gemüseaufbausuppe zur Genesung, lieber Cowboy?
Oder singst mir „Total eclipse of the heart“ von Bonnie Tyler?
Beides gleichzeitig wäre mein Traum, ehrlich wahr.
(Mir wurde allerdings gerade heute gesagt: „Pass auf, was du dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen“, aber von derlei Weisheiten lasse ich mich nicht irritieren...)

Weiteres Ergebnis meiner Bestandsaufnahme;
Meine Schuhgröße ist nicht 42,5.
Mist.

Ich habe mir tiptop Cowboyboots zu Weihnachten geschenkt, bestellt aus Dallas.
Blöderweise sind mir die Treter zu groß, beziehungsweise mein unermüdlicher Optimismus war es und nun hab ich mir die Füße wund gescheuert. Und bin, ganz nebenbei gesagt, auf der Suche nach einem Cowboy der in diese Stiefel passt, so à la Aschenbrödel versteht sich.
(Du bist da raus, is klar.)
Doch mit wem würde sich der „Blut ist im Schuh“ Test lohnen?
(Und sollte ich Kekse dazu reichen?)
Und was ist, wenn einem die Stiefel wirklich passen?!
Mit dieser Frage bin ich, Hand aufs Herz, direkt wieder überfordert und muss mir erstmal Mut antrinken. Menno! Der Hustensaft war doch grad noch voll...
Müsste ich also, sofern der Schuh sitzt, den Cowboy in ein wallendes Hochzeitskleid schmeißen und uns zusammen aufs Pferd, wo dann meine äh, die lange Mähne des Pferdes und seine Schnürsenkel aus echtem Leder um die Wette flattern?
Wo kriege ich den kitschigschönen Aschenbrödel Soundtrack her?
Und vor allem so viel Schnee für die malerische Winterlandschaft?
Klar, weiß ich doch, alles Ablenkungsmanöverfragen, um mich nicht entscheiden zu müssen.
Lieber Cowboy, was sind denn eigentlich deine Kriterien?
Länge der Mähne?
Verführerisches Pferdelächeln mit blitzblanken Beißerchen?
Geschmeidiges Voltigiertalent?
Ich möchte da lieber auf Bart, Trinkfestigkeit, Motorradführerschein und eine Liebe zum Briefe schreiben hinweisen, ja, richtig gelesen, und auch wichtig: Ein geschmackvolles Potpourri aus schlechten Songs und guten Drinks in Petto, plus ein paar gestörten Familien- und/oder Beziehungsgeschichten. Anekdoten über verstorbene Haustiere und/oder kaputte Brillen sind auch nicht zu verachten.

Sie passen ins Profil und möchten zum Cowboystiefeltest eingeladen werden?
Dann fügen Sie bitte Ihrem aussagekräftigen Anschreiben Lichtbild, Lebenslauf, Zeugnisse und sonstige Referenzen bei.
Bewerbungen aus dem englischsprachigen Inland werden bevorzugt.
Einsendeschluss ist der 22.5.2012.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Ps: Gibt es eigentlich Fußverkleinerungen? Also nur mal so ähm als Frage in den Raum gestellt. Könnte man ja mal testen...

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